Shein mit schwachem Börsenstart – Logistikbranche meldet weitere Personalien
Autor: Felix Weipprecht
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Kategorie: Logistik
Zusammenfassung: Sheins Hongkonger Börsendebüt startete mit Kursverlusten und niedriger Bewertung, während Fiege Digital eine neue Leiterin erhält und Zalando Marks-&-Spencer-Bestellungen abwickelt.
Shein startet Börsendebüt in Hongkong mit gesunkener Bewertung
Die Shoppingplattform Shein hat nach langem Warten und gescheiterten Börsenplänen in London und New York ihr Debüt an der Börse in Hongkong gegeben. Zum Handelsbeginn rutschte die Aktie zeitweise rund acht Prozent unter den Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar (etwa 5,34 Euro).
Das Unternehmen war bei früheren privaten Finanzierungsrunden wie 2022 noch mit fast 100 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 86,2 Mrd Euro) bewertet worden. Vor dem Handelsstart strebte Shein laut Börsenprospekt eine Bewertung von 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 23,1 Mrd Euro) an, landete am Ende jedoch leicht darunter.
Shein wurde in China gegründet und verlegte zwischen 2021 und 2022 seinen Sitz nach Singapur. Berichten zufolge scheiterten frühere Börsenpläne in London und New York am Widerstand Pekings.
Im Vorfeld des Börsengangs legte Shein außerdem einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten dieses Halbjahres offen. Das Geschäftsmodell, Mode von Herstellern in China direkt per Luftfracht an Kunden weltweit zu verschicken, steht laut dem Bericht unter Druck: Der Konflikt im Nahen Osten ließ die Transportkosten steigen, während die Nachfrage in der Region einbrach.
Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch neue Zollregelungen in den wichtigen Märkten USA und Europa. Demnach werden auch Einfuhren von Paketen mit geringem Warenwert besteuert. Nach eigenen Angaben hatte das 2012 gegründete Unternehmen Stand 2025 geschätzt 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern.
„Die Börse bepreise Shein wie einen ganz normalen europäischen Modehändler“, sagte E-Commerce-Experte und -Unternehmer Alexander Graf.
Graf erwartet, dass die Ära der künstlich billigen China-Pakete mit dem Ende der Zollfreigrenzen ausläuft. Für Verbraucher könne dies künftig höhere Preise bedeuten, während ein börsengelistetes Shein ohne Wachstumsdruck und mit vollen Kassen sich stärker auf Marge und den Ausbau in Europa konzentrieren könnte.
Der Handelsverband Deutschland verbindet mit der Börsennotierung die Hoffnung auf mehr Fairness im Wettbewerb. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp kritisierte, Shein halte sich in vielen Fällen nicht an die hierzulande gültigen Regelungen, und verwies darauf, dass Anleger bei einer Börsennotierung die Einhaltung aller Pflichten und Regeln erwarteten.
Auch die Deutsche Umwelthilfe bewertet den Börsengang kritisch. Sie fordert ein echtes Anti-Fast-Fashion-Gesetz, da Überproduktion, Ressourcenverschwendung sowie Geschäfte auf Kosten von Umwelt und Gesundheit sich nicht länger rechnen dürften.
Im Juni hatten Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe ergeben, dass sieben von 18 getesteten Kleidungsstücken gegen EU-Grenzwerte verstießen. Shein erklärte damals auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst zu nehmen.
Asiatische Shoppingplattformen gewannen in Deutschland zuletzt weiter an Bedeutung. Auf Temu, Shein und AliExpress entfielen im zweiten Quartal nach Angaben des Branchenverbandes Bevh 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze; zwischen April und Juni steigerten die Portale ihre Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro.
Infobox – Quelle: logistik-heute.de
- Ausgabepreis: 48,56 Hongkong-Dollar (etwa 5,34 Euro)
- Rückgang zum Handelsbeginn: rund acht Prozent
- Bewertung 2022: fast 100 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 86,2 Mrd Euro)
- Angestrebte Bewertung: 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 23,1 Mrd Euro)
- Verlust: 99 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten dieses Halbjahres
- Aktive Kunden Stand 2025: geschätzt 273 Millionen in etwa 160 Ländern
- Verstöße gegen EU-Grenzwerte: sieben von 18 getesteten Kleidungsstücken
- Onlinehandelsumsätze von Temu, Shein und AliExpress im zweiten Quartal: 5,3 Prozent
- Erlöse im Zeitraum April bis Juni: mehr als 20 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro gesteigert
Miriam van Straelen übernimmt Leitung von Fiege Digital
Miriam van Straelen verantwortet ab 1. September als Managing Director die Geschäfte von Fiege Digital. Das Tochterunternehmen des Grevener Logistikdienstleisters entwickelt digitale und logistiknahe Lösungen für das E-Commerce-Geschäft.
Nach Angaben von Fiege verfügt van Straelen über langjährige und internationale Führungserfahrung beim Aufbau und der Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle und Plattformen. Zu ihren bisherigen Stationen zählen Führungspositionen bei Ebay, Paypal, Idealo und Roland Berger.
Zuletzt war van Straelen als Managing Director Europe beim britischen Parkservice-Dienstleister Parkingeye tätig. Fiege-CEO Felix Fiege erklärte, mit ihr gewinne das Unternehmen eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit Expertise in digitalen Geschäftsmodellen und einem klaren Blick auf Markt- und Kundenanforderungen.
Fiege Digital deckt laut dem Bericht die gesamte E-Commerce-Wertschöpfungskette ab. Zu den Lösungen gehören Produktsuche und -auswahl, Kauf, Fulfillment und Tracking, Zustellung, Retourenmanagement und Kundenservice. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Anbindungen an Social-Commerce- und Marketplace-Systeme an.
„Im E-Commerce wird das gesamte Kundenerlebnis zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – weit über das Produkt, den Preis und das Marketing hinaus“, sagte Miriam van Straelen.
Sie betonte, dass Commerce, Customer Experience und Logistik immer enger ineinandergreifen. Verfügbarkeit, Lieferoptionen, Geschwindigkeit, Tracking, Retouren und Service seien längst nicht mehr nur operative Prozesse, sondern prägten das Kundenerlebnis maßgeblich.
Fiege führt Felix Fiege gemeinsam mit seinem Cousin Jens Fiege in fünfter Generation. Mit der neuen Leitung soll das digitale Fiege-Geschäft weiter ausgebaut und die Verbindung von Commerce, Technologie, Daten und Logistik enger gestaltet werden.
Infobox – Quelle: Eurotransport
- Neue Funktion: Managing Director Fiege Digital
- Beginn: ab 1. September
- Frühere Stationen: Ebay, Paypal, Idealo und Roland Berger
- Zuletzt: Managing Director Europe bei Parkingeye
- Fiege Digital: Lösungen für Produktsuche und -auswahl, Kauf, Fulfillment und Tracking, Zustellung, Retourenmanagement und Kundenservice
Zalando übernimmt Abwicklung von Marks-&-Spencer-Bestellungen
Der britische Einzelhändler Marks & Spencer will in Europa mehr online verkaufen und übergibt dafür die Logistik an den Online-Modehändler Zalando. Das berichtet die Lebensmittel Zeitung in ihrem Ressort Tech + Logistik.
Die Zusammenarbeit soll die europäische Online-Expansion von Marks & Spencer unterstützen. Zalando übernimmt dabei die Abwicklung der Bestellungen für den britischen Einzelhändler.
Weitere Angaben zu Umfang, Laufzeit oder einzelnen Standorten der Vereinbarung enthält der vorliegende Bericht nicht.
Infobox – Quelle: Lebensmittel Zeitung
- Auftraggeber: Marks & Spencer
- Logistikpartner: Zalando
- Ziel: mehr Onlinegeschäft von Marks & Spencer in Europa
Amazon lässt Händler für Zwei-Stunden-Lieferung bieten
Amazon fordert ausgewählte Händler, die Fulfillment by Amazon nutzen, dazu auf, Gebote für die Teilnahme an der „Sub-Same-Day“-Zustellung abzugeben. Die Lieferoption kann Bestellungen teils schon zwei Stunden nach dem Kauf beim Kunden ankommen lassen.
Nach Informationen von Business Insider, über die etailment berichtet, legen Händler ein Gebot pro Einheit fest. Amazon zufolge zahlen sie anschließend nur für Artikel, die tatsächlich über „Sub-Same-Day“ versendet werden; mehr als der selbst gesetzte Stückpreis werde nicht berechnet.
Amazon nennt als möglichen wirtschaftlichen Vorteil höhere Verkäufe. Produkte mit dieser Liefergeschwindigkeit hätten im Durchschnitt 12 Prozent höhere Verkäufe erzielt als Artikel im regulären FBA-Service.
Die Reichweite des Angebots ist nach Unternehmensangaben bereits beträchtlich. „Sub-Same-Day“ steht demnach in 2.300 Metropolregionen zur Verfügung. In einzelnen Städten testet oder bietet Amazon zudem Lieferungen innerhalb von 30 Minuten für bestimmte Lebensmittel und wichtige Alltagsprodukte an.
Für Händler bedeutet die Teilnahme, dass Waren näher an den Kunden liegen müssen. Schnellere Lieferfenster können zusätzliche Bestände und eine Verteilung der Produkte auf weitere Amazon-Standorte erforderlich machen.
Amazon gibt an, dass „Sub-Same-Day“-Standorte rund 100.000 Produkte führen. Damit ist das Sortiment kleiner als in klassischen Fulfillment-Zentren.
Das Bietsystem wird im Händlerumfeld als möglicher Kostentreiber bewertet. FBA-Händler zahlen bereits für Lagerung, Verpackung und weitere Leistungen; mit dem variablen Preis für besonders schnelle Lieferungen kommt eine zusätzliche Kostenkomponente hinzu.
Die Gebote sollen unter anderem anhand von Faktoren wie Kundenfeedback bewertet werden. Für Verkäufer könnte das Verfahren strategisch relevant sein, weil schnelle Lieferung auf Marktplätzen als starker Sichtbarkeitsfaktor gilt.
Nach Einschätzung aus dem Händlerumfeld könnte Amazon Produkte mit höherem Liefertempo in Suchergebnissen oder Alexa-Ergebnissen bevorzugen. Damit würde die Liefergeschwindigkeit im E-Commerce noch stärker zu einem Wettbewerbsinstrument.
Amazon stellt die Option zugleich als Möglichkeit dar, dass Verkäufer selbst bestimmen, welche zusätzlichen Produkte sie aufgrund ihrer Marktkenntnis schneller anbieten. Unabhängig davon sollen weiterhin Artikel unabhängiger Händler ohne Zusatzkosten im Same-Day-Netzwerk platziert werden.
Infobox – Quelle: etailment
- Lieferoption: „Sub-Same-Day“
- Mögliche Zustellzeit: teils zwei Stunden nach dem Kauf
- Verfügbarkeit: 2.300 Metropolregionen
- Durchschnittlicher Mehrverkauf laut Amazon: 12 Prozent
- Lieferungen innerhalb von 30 Minuten: in einzelnen Städten für bestimmte Lebensmittel und wichtige Alltagsprodukte
- Sortiment an „Sub-Same-Day“-Standorten: rund 100.000 Produkte
Quellen: