KI im Fokus: Urheberrechtsstreit, Deepfakes und personalisierter Fußball
Autor: Felix Weipprecht
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Kategorie: Künstliche Intelligenz
Zusammenfassung: Anthropic zahlt im Urheberrechtsstreit 1,5 Milliarden Dollar; zugleich prägen KI-Abhängigkeit, personalisierte Fußballübertragungen, Sportanalysen und steigende Jugendpornografie-Fälle die Debatte.
Anthropic zahlt 1,5 Milliarden Dollar im Urheberrechtsstreit
Das KI-Unternehmen Anthropic muss 1,5 Milliarden Dollar an Autoren zahlen, weil es Bücher für das Training seines Chatbots Claude illegal heruntergeladen hatte. Eine US-Bundesrichterin stimmte dem milliardenschweren Vergleich zu und erklärte, die Einigung werde Autoren und Verlegern spürbare Erleichterung verschaffen, berichtet die WirtschaftsWoche.
Von dem Vergleich sind mehr als 482.000 Bücher erfasst. Für rund 91 Prozent dieser Bücher haben Autoren oder Verlage Ansprüche angemeldet. Betroffene sollen durchschnittlich etwa 3000 Dollar je Buch erhalten, das Anthropic in Form von Raubkopien für das Training seines Chatbots genutzt hatte.
Der Anwalt der Klägerseite, Justin Nelson, bezeichnete die Einigung laut WirtschaftsWoche als die größte bekannte Entschädigung wegen Urheberrechtsverletzungen in der Geschichte. SZ.de berichtet ergänzend, rund 500 000 Rechteinhaber hätten sich der Sammelklage angeschlossen; der Betrag entspreche damit einer Auszahlung von rund 3000 Dollar pro Buch.
Dem Bericht von SZ.de zufolge hatte Anthropic mehr als sieben Millionen Bücher heruntergeladen. Nach dem US-amerikanischen Copyright Act bewegen sich die gesetzlich festgelegten Schadensersatzbeträge zwischen 750 und 300 Dollar pro Werk; bei vorsätzlichen Verstößen können je bis zu 150 000 Dollar fällig werden. Zeitweise standen deshalb dreistellige Milliardensummen als Schadenersatz im Raum.
Anthropic hatte argumentiert, die Verwendung zu internen Forschungszwecken falle unter das Prinzip des „fair use“. Der zunächst zuständige Richter William Alsup war dieser Argumentation beim Verfüttern der Bücher an die KI gefolgt, sah den Urheberrechtsverstoß jedoch im Herunterladen der geklauten Bücher.
„Die missbräuchliche Nutzung dieser KI-Modelle wird zunehmend einfacher und niederschwelliger.“
Nach Darstellung von SZ.de hat Anthropic inzwischen eine andere Methode gewählt, um an neue Lektüre zu kommen. Der Tech-Manager Tom Turvey sei im Februar 2024 damit beauftragt worden, „alle Bücher der Welt zu besorgen“. Bücher würden bei Händlern aufgekauft, ihre Buchrücken entfernt, die Seiten zurechtgeschnitten, gescannt und anschließend entsorgt. Millionen Exemplare seien so bereits zu Altpapier geworden.
Turvey habe sich zunächst um Nutzungslizenzen von Verlagen bemüht, die Gespräche jedoch einschlafen lassen. Stattdessen seien die Buchfressmaschinen angeworfen worden. SZ.de verweist außerdem auf Klagen mehrerer großer Verlage gegen Google, weil der Konzern Bücher aus Google Books zum Training seiner KI Gemini verwendet habe.
Infobox: Der Vergleich umfasst 1,5 Milliarden Dollar und mehr als 482.000 Bücher. Rund 91 Prozent der Bücher sind von angemeldeten Ansprüchen betroffen; die durchschnittliche Zahlung soll etwa 3000 Dollar je Buch betragen.
Warnung vor einer zunehmenden Abhängigkeit von KI
Der Spiegel warnt in einem Meinungsbeitrag unter dem Titel „Google macht uns zu KI-Zombies“ vor einem Verlust an Eigenständigkeit durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Der Beitrag ist laut Quelle nicht mehr vollständig aufrufbar und kann nur über SPIEGEL+ weitergelesen werden.
Als Bildmotiv wird eine Vaperin beim Zombie-Walk gezeigt. Die zugänglichen Angaben fassen die zentrale Aussage des Beitrags als Warnung zusammen: Wer auf KI vertraut, könne Eigenständigkeit verlieren.
Infobox: Der Spiegel behandelt die gesellschaftlichen Folgen einer starken KI-Abhängigkeit. Der vollständige Artikeltext war in der Quelle nicht zugänglich.
Fußball-WM 2030: KI soll jedem Fan ein eigenes Spielerlebnis ermöglichen
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 könnte jeder Fan dieselbe Partie auf unterschiedliche Weise erleben. WEB.DE berichtet über personalisierte Übertragungen, individuell zusammengestellte Kommentare sowie neue Möglichkeiten bei Analysen, Statistiken und Hintergrundinformationen.
Der Sportökonom und KI-Experte Sascha L. Schmidt erwartet, dass Fußball deutlich persönlicher wird. Wer sich für Taktik interessiert, könne andere Informationen erhalten als jemand, der vor allem die Geschichten hinter den Spielern spannend finde. Highlights, Hintergrundgeschichten und interaktive Inhalte könnten praktisch in Echtzeit erstellt werden.
Das klassische Fernsehen werde weiterhin bestehen, aber nur noch eine Alternative unter vielen sein, erklärt Schmidt im Gespräch mit WEB.DE. Zuschauer könnten zwischen verschiedenen Kommentatoren wählen oder sich einen Kommentar individuell zusammenstellen lassen. Auch Kameraperspektiven, Statistiken und Analysen ließen sich an persönliche Interessen anpassen.
Schmidt hält es für realistisch, dass bei der WM in vier Jahren jeder Zuschauer bereits seine eigene Version desselben Spiels erleben könnte. Unterschiedliche Kommentare, individuelle Kamerabilder, persönliche Statistiken und automatisch erzeugte Hintergrundinformationen könnten so selbstverständlich werden wie heute die Auswahl einer Sprache beim Streaming.
Für den Journalismus sieht der Experte einen Wandel, aber keinen vollständigen Ersatz durch KI. Routineaufgaben wie Recherche, Datenanalyse sowie erste Textentwürfe würden zunehmend automatisiert. KI-generierte Spielberichte und Zusammenfassungen könnten 2030 selbstverständlich sein, während Einordnung, kritische Analyse und glaubwürdiges Storytelling als menschliche Aufgaben wichtiger würden.
Auch Training, Scouting und die taktische Vorbereitung könnten sich verändern. KI könne große Datenmengen auswerten, das Training individueller gestalten, Verletzungen früher erkennen und Gegner präziser analysieren. Talente ließen sich weltweit schneller identifizieren, während Trainer während eines Spiels bessere Entscheidungshilfen erhalten könnten.
„Am Ende bleibt Fußball aber ein Spiel von Menschen. KI liefert Empfehlungen, entscheiden müssen weiterhin Trainer und Spieler.“
Als Risiko nennt Schmidt täuschend echte Bilder, Videos und Aussagen. Gerade im emotional aufgeladenen Fußball könnten Deepfakes erheblichen Schaden anrichten. Zudem bestehe bei ständig personalisierten Inhalten die Gefahr, dass der gemeinsame Blick auf das Spiel verloren gehe.
Medienkompetenz, Transparenz und ethische Regeln würden deshalb wichtiger. Schmidt überschätzt zufolge die Vorstellung, dass KI den Menschen komplett ersetzen werde; Emotionen, Kreativität und authentische Geschichten blieben im Sport entscheidend. Unterschätzt werde dagegen, wie schnell KI im Hintergrund bei Empfehlungen, Übersetzungen, Highlights, Analysen und Fanangeboten zum Standard werde.
Infobox: Für 2030 erwartet Sascha L. Schmidt personalisierte Kommentare, Kamerabilder, Statistiken und Analysen. KI soll den Fußball nicht ersetzen, sondern die Nutzung von Sport, Medien und Fanangeboten verändern.
Tour de France: KI-Projekt gegen Tadej Pogačar scheitert nach Sturz
Das Team Visma-Lease a Bike hat versucht, Tadej Pogačar mit umfangreichen Datenanalysen und Künstlicher Intelligenz zu besiegen. Die F.A.Z. berichtet, dass ein ehrgeiziges Projekt von Quantum Black, der KI-Tochter der Unternehmensberatung McKinsey, durch den Sturz des dänischen Kapitäns Jonas Vingegaard beendet wurde.
In einer Kurve im französischen Örtchen Amancy zerbrach Vingegaards rechtes Schlüsselbein. Dort zerstoben nach Darstellung der F.A.Z. auch die Pläne des Teams, das die Etappe mithilfe von Daten und KI analysiert hatte.
Vingegaard hatte auf der 15. Etappe der Tour de France mit all seinen Helfern versucht, Pogačar noch einmal massiv anzugreifen. Pogačar wird in dem Bericht als Dominator der Tour bezeichnet.
Infobox: Quantum Black analysierte die Etappe mit Daten und Künstlicher Intelligenz. Der Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe beendete das Projekt des Teams Visma-Lease a Bike.
KI lässt Fälle von Jugendpornografie auf Rekordhöhe steigen
Das Bundeskriminalamt registriert einen deutlichen Anstieg bei Fällen aus dem Bereich der Jugendpornografie. Nach Angaben von n-tv.de wurden 2025 insgesamt 11.515 Fälle polizeilich angezeigt, nachdem es 2024 9601 Fälle gewesen waren. Das entspricht einem Anstieg von 19,9 Prozent und einem erneuten Höchstwert.
Bei den Fällen geht es um Herstellung, Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Inhalte. Gemeint sind vor allem Fotos und Videos, in denen 14- bis 17-Jährige bei sexuellen Handlungen zu sehen sind. Wie groß das Dunkelfeld nicht angezeigter Fälle ist, bleibt unklar.
Das BKA führt mehrere Ursachen für den Anstieg an. Dazu zählen mehr Meldungen durch das National Center for Missing & Exploited Children, die zunehmende Begleitung der eigenen Sexualität im Internet sowie mögliche Erfolge von Präventions- und Informationskampagnen, durch die Jugendliche solche Fälle häufiger anzeigen könnten.
Als weitere Ursache nennt das BKA die technische Fortentwicklung von KI. Eine besondere Rolle spielten Modelle, mit denen sich Bilder oder Videos erstellen oder bearbeiten lassen. Täter könnten dadurch unkompliziert Deepfakes erstellen.
Nach Angaben des BKA ist auch die Herstellung vollständig künstlich generierter kinder- und jugendpornografischer Inhalte durch Apps und KI-Anwendungen im Internet möglich. Die gestiegene Qualität solcher Inhalte erschwere die Unterscheidung zwischen realen und KI-generierten Darstellungen und stelle die Strafverfolgung bei der Opfer- und Täteridentifizierung vor Herausforderungen.
Das BKA warnt, dass die psychischen Folgen und emotionalen Belastungen von KI-Missbrauchsvideos genauso hoch sein können wie bei Opfern physischer sexualisierter Gewalterfahrungen. Bestehende Inhalte könnten mithilfe von KI fortlaufend verändert und Jahre später als abgewandeltes Video erneut verbreitet werden.
Gleichzeitig wurden 2025 15,4 Prozent mehr Tatverdächtige identifiziert als 2024. Insgesamt registrierten die Ermittler 9967 Verdächtige. 53 Prozent von ihnen waren minderjährig.
Nach Nationalitäten machten Deutsche 84 Prozent der Tatverdächtigen aus. Der überwiegende Großteil der mutmaßlichen Täter waren Männer; ihr Anteil lag bei 87,1 Prozent.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Polizeilich angezeigte Fälle 2025 | 11.515 |
| Polizeilich angezeigte Fälle 2024 | 9601 |
| Anstieg | 19,9 Prozent |
| Identifizierte Tatverdächtige 2025 | 9967 |
| Anstieg identifizierter Tatverdächtiger | 15,4 Prozent |
| Anteil minderjähriger Tatverdächtiger | 53 Prozent |
| Anteil deutscher Tatverdächtiger | 84 Prozent |
| Anteil männlicher Tatverdächtiger | 87,1 Prozent |
Infobox: 2025 wurden 11.515 Fälle angezeigt, 19,9 Prozent mehr als 2024. Das BKA sieht in der leichteren Erstellung von Deepfakes und vollständig künstlich generierten Inhalten eine besondere Herausforderung für Ermittler sowie für die Identifizierung von Opfern und Tätern.
Quellen:
- Anthropic und die Buchscan-Maschinen: Dann fressen wir sie halt
- Künstliche Intelligenz: Anthropic zahlt Autoren 1,5 Milliarden Dollar in Urheberrechtsstreit
- (S+) Meinung: Google macht uns zu KI-Zombies – Meinung
- Wird die WM 2030 die letzte gemeinsame Weltmeisterschaft?
- Tour de France: Lässt sich Tadej Pogačar mit KI besiegen?
- Ermittler kommen an ihre Grenzen: KI treibt Jugendporno-Fallzahlen auf Rekordhöhe